Hintergrund

Mitte bis Ende der 90er Jahre sorgte der starke Anstieg afrikanischer Asylwerberinnen und Asylwerber für Spannungen zwischen der österreichischen Polizei und Menschen aus Afrika. Zudem führten die „Operation Spring“ und der Tod des Schubhäftlings Marcus Omofuma zu der Erkenntnis, dass Handlungsbedarf besteht.

 

Im Frühjahr 2000 trat in Wien eine internationale Expertenrunde zusammen um das Spannungsfeld „Polizei und AfrikanerInnen“ zu diskutieren. Unter den Teilnehmern befanden sich der Generaldirektor für die Öffentliche Sicherheit Erik Buxbaum, der Polizeipräsident in Wien Peter Stiedl, Torsten Seeland von der Polizei Hamburg, Vertreter der Wiener Fremdenpolizei und des österreichischen Bundesasylamtes aber auch Repräsentantinnen und Repräsentanten privater Organisationen wie Amnesty International, Caritas, und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verschiedener afrikanischer Vereine in Österreich.

 

Ein Vorschlag bestand in der Schaffung eines Pilotprojektes unter dem Namen Polizei und AfrikanerInnen. Das Vorhaben sollte in Wien angesiedelt werden und ein offenes Zugehen der Polizei auf die „Black Community“ und die Sensibilisierung innerhalb der Exekutive wie auch innerhalb der „Black Community“ fördern.

 

Mit der Leitung des Projekts wurde der Wiener Kriminalbeamte Oberstleutnant Josef Böck, Barbara Rainer von der Gesellschaft für bedrohte Völker und Sintayehu Tsehay, Vorstandsmitglied des Werkstätten und Kulturhauses (WUK) betraut. Sämtliche Projektmitarbeiterinnen und Projektmitarbeiter waren ehrenamtlich tätig.

 

Exekutivbeamtinnen und -beamte kommen beruflich häufig mit Kriminellen in Kontakt. Diesen Erfahrungen sollten andere, positive Erlebnisse entgegen gesetzt  und die Menschen aus Afrika als Individuen hervorgehoben werden.

Ein wesentliches Ziel dieser Initiative war und ist es bis heute, bei Polizeibediensteten und in der österreichischen Bevölkerung das Bewusstsein dafür zu stärken, dass die Mehrheit der Afrika-stämmigen Menschen in Österreich mit Drogen nichts zu tun hat.

Im Jahr 2001 und 2002 wurde das Projekt von der EU finanziell gefördert. Kooperationspartner dabei waren die österreichische Polizei sowie Nichtstaatliche Organisationen aus London, München und Helsinki. Die Projektträgerschaft übernahm die Gesellschaft für bedrohte Völker.

 

 

„Fair und Sensibel – Polizei und AfrikanerInnen“

 

2004 wurde das Pilotprojekt in Fair und Sensibel – Polizei und AfrikanerInnen umbenannt. Erstmals wurde vom österreichischen Innenministerium auch eine Basisfinanzierung übernommen.

Im Februar 2006 gründeten die Polizeibeamten Oberstleutnant Josef Böck und Chefinspektor Ernst Köpl sowie a.o. Univ. Prof. Mag. Dr. Michael Zach, Institut für Afrikawissenschaften und Univ. Ass. DI Kojo Taylor, von der Technische Universität Wien und eine der wichtigsten Führungspersönlichkeiten der „African Community“ in Österreich, den Verein gleichen Namens.

 

 

2009 übernahm Josef Böck hauptamtlich die Leitung des Vereins. Dessen Aktivitäten wurden vom Fokus „Polizei und AfrikanerInnen“ auf Sensibilisierung und Vernetzung in Diversity-Angelegenheiten ausgeweitet. Ziel des Vereins war und ist es zur Förderung eines österreichweiten, zwischenmenschlichen und konfliktfreieren Zusammenlebens zwischen der österreichischen Aufnahmegesellschaft, der Exekutive und allen Menschen in Österreich beizutragen und zwar unabhängig von deren Herkunft, Hautfarbe, Religion, Behinderung und sexueller Orientierung.

Die Aktivitäten von „Fair und Sensibel“ wurden seither weiter aufgewertet: Neben der Basisfinanzierung durch das Bundesministeriums für Inneres auch durch Förderungen des Bundesministeriums für Europa, Integration und Äußeres, der EU über den Europäischen Integrationsfonds und den Europäischen Flüchtlingsfonds, des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz und der Magistratsabteilung 17.

 

 

Referat Minderheitenkontakte

 

Im Jahr 2010 wurde innerhalb der Bundespolizei Wien ein eigenes Referat für Minderheitenkontakte geschaffen.

Am 1. Mai nahm das Referat Minderheitenkontakte seine Tätigkeiten offiziell auf.

Damit wurden die Aktivitäten des Vereins Fair und Sensibel – Polizei und AfrikanerInnen durch die behördliche Ansiedlung des Referates für Minderheitenkontakte in der LPD Wien, im Büro Informationsdienst institutionalisiert.

 

 

„Fair und Sensibel Österreich“

Das Aufgabenspektrum des Referats und des Vereins hat sich wesentlich verbreitet. Um allen zugewanderten Menschen und den neuen Diversity–Aspekten gerecht zu werden, wurde der Verein auf "Fair und Sensibel Österreich" umbenannt.

 

Im Jahr 2014 arbeiten unter der Leitung von Oberstleutnant Josef Böck arbeiten ca. 60 Menschen am Abbau von gegenseitigen Vorurteilen.

Im Referat sind es 7 Polizistinnen und Polizisten mit und ohne Migrationshintergrund, beim Verein sind zugewanderte Menschen, Asylwerberinnen und Asylwerber und eine Studentin angestellt. Dazu kommen zahlreiche freie und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

 

Der Verein arbeitet überparteilich und überkonfessionell und ist im gesamten Bundesgebiet tätig.

 

Cartoon: Michi Hendrich

zur 10-Jahres-Feier 2010